Wovon der Preis einer Website abhängt
In Deutschland ist die Preisspanne für Websites enorm — von €300 für «mache es schnell» bis €30 000 für einen ernsthaften E-Commerce. Und oft verbergen sich hinter ähnlichen Beschreibungen völlig unterschiedliche Arbeitsumfänge.
Der Preis setzt sich aus sechs Faktoren zusammen:
Website-Typ. Ein Landing für eine Dienstleistung — 7-15 Sektionen Inhalt, ein einfaches Formular, ein CTA. Eine Corporate-Website — 15-30 Seiten, mehrere Service-Bereiche, Portfolio, Blog. Online-Shop — bereits ein System: Katalog, Filter, Warenkorb, Bezahlung, Lieferung, Kundenkonto.
Design-Komplexität. Eine Vorlage mit minimaler Anpassung kostet €300-700. Custom-Design mit einzigartiger Optik, Illustrationen und Animationen — €2000-7000.
Content. Oft übersehen: Texte werden separat geschrieben. Wenn Sie selbst vorbereiten — kostenlos, aber 30-60 Stunden Arbeit. Bei Beauftragung eines Texters — €50-150 pro Seite (deutscher Markt teurer als osteuropäischer).
Stack. Tilda ist günstiger und schneller im Launch, hat aber Einschränkungen. WordPress — der goldene Mittelweg. Next.js / React — teurer am Start, aber schneller, sicherer und besser für langfristiges SEO.
Integrationen. Mailchimp oder einen Telegram-Bot anbinden — wenige Stunden. CRM, Bezahlung über Stripe / PayPal / SEPA-Lastschrift, Buchhaltung (DATEV, sevDesk) — bereits ein eigenständiges Projekt von Dutzenden Stunden.
Termine. Wenn in 2 Wochen benötigt — wird teurer als «entspannt in 6-8 Wochen». Eile erhöht den Preis um 30-50%.
Was kostet eine Website nach Typen — für Deutschland 2026
Hier reale Bereiche für den deutschen Markt. Kein Template für €200 «über Bekannte» und kein Berlin-Premium mit Nullen. Normales Produktionsniveau.
Landing für eine Dienstleistung — €500-2000
Eine Seite, klarer Funnel: Hero, Problem, Lösung, Case, Bewertungen, FAQ, Formular. Geeignet für eine Dienstleistung oder ein Produkt. Launch in 2-3 Wochen. €500 — auf fertiger Vorlage mit minimaler Anpassung. €2000 — mit Custom-Design, A/B-Tests und durchdachten Analytics.
Portfolio-Site für Experten — €800-3000
Für Fotografen, Designer, Coaches, Therapeuten. 5-10 Seiten: Home, über mich, Leistungen, Portfolio oder Cases, Bewertungen, Kontakt. Manchmal Blog. Hier zählt Optik und Vertrauen.
Corporate-Website — €2000-8000
Für Bauunternehmen, Anwaltskanzlei, Agentur. 15-30 Seiten, mehrere Service-Bereiche, Team, Cases, Blog, DSGVO-Kit. Lokalisierung in 2-3 Sprachen (DE/EN — Standard).
Online-Shop — €5000-25 000
Katalog, Filter, Warenkorb, Registrierung, Kundenkonto, Zahlungsanbindung (Stripe, PayPal, Klarna, SEPA), Versand (DHL, Hermes, DPD), Buchhaltung. Preis abhängig von Produktanzahl, Logikkomplexität und Integrationen.
Web-App / SaaS — €15 000-80 000+
CRM, ERP, Kundenkonto mit Autorisierung, Dashboards, Multi-User-System. Das ist keine Website, sondern ein Software-Produkt. Preis hängt stark von Feature-Anzahl und Logikkomplexität ab.
Wenn Ihnen ein Online-Shop für €1000 angeboten wird — das ist kein Online-Shop. Das ist eine Tilda-Vorlage mit einer Katalog-Seite ohne Bezahlung und ohne Bestandsverwaltung.
Was in Deutschland besonders ist
Deutscher Markt hat Besonderheiten. Mehrere Dinge müssen berücksichtigt werden, um nicht in Probleme zu geraten.
Impressumspflicht (§5 TMG). Jede gewerbliche Website in Deutschland MUSS ein Impressum haben mit: Firmenname, Anschrift, Telefon, E-Mail, Handelsregisternummer, USt-IdNr, verantwortliche Person. Fehlt das — Abmahnungen bis €5000+ sind realistisch (die berüchtigten Abmahnvereine machen daraus ein Geschäft).
DSGVO + BDSG. In Deutschland gilt zusätzlich BDSG (Bundesdatenschutzgesetz). Strenger als in vielen EU-Ländern. Bußgelder werden konsequent verhängt.
Domain. Für deutsche Kunden — .de (€10-15/Jahr über Standardregistrare). Für international — .com oder .eu. Doppeldomain (.de + .com) — gängige Praxis bei Mittelstand.
Sprachen. Minimum DE. Wenn international — DE + EN. Manche Branchen (Gastro, Tourismus) — auch FR/IT/PL je nach Region.
Hosting. Hetzner (deutscher Anbieter, Top-Performance), All-Inkl, Strato — alle in Deutschland. Für DSGVO ideal — Daten bleiben in der EU. Vermeiden Sie US-Hosting wenn möglich.
Bezahlsysteme. Stripe — beliebteste internationale Lösung. Mollie — DSGVO-freundlich aus den Niederlanden. Klarna — bei E-Commerce für Ratenkauf populär. SEPA-Lastschrift — für Abos in DE Standard.
Cookies & Consent Mode v2. Seit 2024 ohne Consent Mode v2 keine Google Ads / Analytics — Tracking funktioniert eingeschränkt. Bei korrekter Konfiguration sammeln Sie weiterhin nutzbare Daten.
Versteckte Kosten — damit es keine Überraschungen gibt
Der Preis «Website schlüsselfertig» deckt normalerweise Entwicklung und Basis-Befüllung ab. Aber es gibt Dinge, die oft als Überraschung kommen.
Domain — €10-15/Jahr für .de bei Standardregistraren (IONOS, Strato, Hetzner). Wird separat auf Ihren Namen registriert.
Hosting — €5-50/Monat. Hetzner, All-Inkl, IONOS — alle in DE. Bezahlung monatlich oder jährlich.
SSL-Zertifikat — meist kostenlos (Let's Encrypt). Manche Anbieter nehmen €50-100 — das ist überflüssig.
Stock-Fotos und Icons — €0-500. Kostenlos auf Unsplash, Pexels, Heroicons. Bezahlt — Adobe Stock, Shutterstock.
Rechtstexte (Datenschutzerklärung, AGB, Impressum). Anwaltsgeprüft — €200-800 einmalig. Generatoren wie e-recht24.de oder iubenda.com geben Vorlagen für €0-30/Monat.
Support nach Launch. Garantie für Bug-Fixes 30-60 Tage — Standard. Danach — separater Vertrag: €80-300/Monat für Basis-Wartung.
Zusätzliche Anpassungen. Eine bis zwei Korrekturrunden inklusive. Danach — €60-120/Stunde (deutscher Markt).
Sparen ohne Qualitätsverlust
Billige Website = in einem Jahr neu machen. Diese Regel funktioniert in 90% der Fälle. Aber es gibt Wege zu sparen ohne Ergebnisverlust.
Bereiten Sie Content selbst vor. Texte, Fotos, Beschreibungen. Das ist der «menschlichste» Teil, den ein Texter sowieso schlechter macht — er kennt Ihr Unternehmen nicht.
Arbeiten Sie phasenweise. Erst MVP mit Home und einer Dienstleistung. Dann Blog. Dann Katalog. Verteilt die Kosten über die Zeit und reduziert Risiko.
Zahlen Sie nicht 100% im Voraus. Standard: 30% Start, 30% nach Design, 30% nach Entwicklung, 10% nach Launch.
Nutzen Sie Tilda für Landings — direkter Weg zum Launch für €500-1000. Für ernsthafte Projekte — WordPress oder Next.js.
Unterschreiben Sie einen Vertrag. Ohne Vertrag — nicht starten. Im Vertrag: Leistungsumfang, Termine, Summe, Rechteübertragung, Garantie.
Checkliste «was im Preis enthalten sein muss»
Wenn Sie ein Angebot erhalten, prüfen Sie, dass folgendes explizit steht:
✓ Design für alle Seiten (nicht nur Home)
✓ Mobile-Adaption (320px, 768px, 1280px+)
✓ Basis-SEO: Meta-Tags, title/description für jede Seite, sitemap.xml, robots.txt
✓ DSGVO-Kit: Cookie-Banner, Datenschutzerklärung-Vorlage, Einwilligung in Formularen
✓ Impressum (Pflicht in DE)
✓ Google Analytics + Search Console-Anbindung mit Consent Mode v2
✓ Übergabe aller Zugänge (Hosting, Domain, CMS, FTP, DB)
✓ Basis-Anleitung zur Content-Bearbeitung
✓ Garantie 30-60 Tage für Bug-Fixes
✓ Eine bis zwei Korrekturrunden pro Phase
✓ Termine schriftlich
Wenn etwas fehlt — entweder vergessen oder versuchen, «Extras» zu verkaufen. Klären Sie vor Vertragsunterzeichnung.